Heft 05 · Hügel
Südlich der Mur ändert sich der Ton.
Die Steiermark wird in Prospekten grün. Vor Ort ist sie braun, ocker, kerngelb, und im November grau wie ein Keller. Graz hält die Mitte: eine Stadt, die nicht um Erlaubnis bittet, Hauptstadt zu sein.
Hier enden die hohen Grate. Hier beginnen Stöcke, Kürbisse, Straßen, die im September voll sind, und Dienstage, die noch atmen.
Graz in der Fläche
Das Schlossberg-Uhrwerk kennen Sie. Gehen Sie nach Lend, wenn die Sonne auf den Mursteg fällt, und essen Sie dort, wo die Karte auf einer Tafel steht. Der Uhrturm bleibt. Die Gassen ändern sich alle zehn Jahre; merken Sie sich eine, nicht alle.
Ein Vormittag reicht für das Zentrum, wenn Sie nicht jedes Museum abhaken. Der Rest des Tages gehört den Bezirken, in denen Leute wohnen. Abends früh, wie auf dem Land — Graz kocht nicht bis Mitternacht für Sie.
Wein, zu Fuß
Südsteiermark: die Straßen sind schmal und im September voll. Besser ein Dienstag in der Südoststeiermark, ein Bus bis zur Haltestelle, dann der Weg zwischen den Stöcken. Kaufen Sie die Flasche, die der Winzer selbst trinkt. Fragen Sie nicht nach der „besten Lage“. Fragen Sie, was heute offen ist.
Kürbiskernöl gehört auf das Brot, nicht auf das Foto. Ein Tropfen reicht. Der Rest ist Fett und Geduld. Thermen sind ein anderes Register; wer nur Wärme will, braucht diese Skizze nicht.
Fragen, die uns erreichen
Graz und Weinstraße am selben Tag?
Nur wenn Sie Graz verkürzen. Besser: eine Nacht in der Stadt, eine auf dem Hügel, dazwischen der Bus, nicht die enge Straße im Septemberstau.
Wann schmeckt der Sturm?
Wenn er läuft — oft Oktober. Davor Most. Danach der ruhige Wein. Keiner davon braucht ein Eventzelt.