Heft 12 · Tisch
Teller ohne Theater.
Die österreichische Küche wird entweder vergoldet oder belächelt. Beides ist falsch. Sie ist eine Küche der Wiederholung: dieselbe Suppe, derselbe Tafelspitz, derselbe Most. Gut, wenn jemand noch die Zeit hat, sie zu machen.



Ordnung des Tages
Früh. Gebäck, das noch warm ist, Kaffee ohne Sirup. In Wien: eine Konditorei, in der die Zeitung auf einem Holzstab hängt. Auf dem Land: was die Stube aufstellt, oft Brot, Butter, ein Ei.
Mittag. Die wichtigste Mahlzeit, wenn die Küche noch kocht und nicht nur wärmt. Menü der Woche schlägt die Karte. Knödelsuppe ist kein Starter, sie ist die Probe.
Abend. In den Tälern früh. In Wien später, aber nicht in dem Lokal, das um 22 Uhr noch eine Warteschlange hat. Ein Beisl, in dem die Bedienung Sie kennt, nachdem Sie zweimal da waren.
Was wir bestellen
- Leberknödelsuppe, wenn die Brühe klar ist.
- Forelle, wenn der Bach in Sichtweite liegt.
- Most oder Sturm zur Saison, sonst ein Viertel vom Haus.
- Topfenstrudel lauwarm. Nicht mit Vanillesauce ertränkt, wenn er allein stehen kann.
- Kein Wiener Schnitzel in einer Gasse, die nur aus Souvenirs besteht.
Regional: Kernöl in der Steiermark, Heuriger in der Wachau, Käse im Bregenzerwald. Dasselbe Gericht schmeckt in der falschen Gasse nach Tourismus. In der richtigen Stube nach Geduld.
Fragen, die uns erreichen
Vegetarisch unterwegs?
Knödel, Kaspressknödel, Gemüseteller, Käse. Fragen Sie nach dem Tagesmenü. In der Gasse mit fünf Sprachen wird es theatralischer, nicht besser.
Reservieren?
Auf dem Land oft unnötig, wenn Sie früh kommen. Am Wochenende im Tal: ja. Um 19 Uhr in der Altstadt: Sie essen für das Foto.