Heft 03 · Stadt am Hang
Die Gasse gehört dem Vormittag nicht.
Salzburg verdichtet sich in einer Mulde. Wer um zehn durch die Getreidegasse geht, sieht vor allem Schultern. Wer um siebzehn denselben Stein tritt, hört wieder Glocken und Geschirr. Die Stadt ist klein. Deshalb ist die Uhrzeit die eigentliche Entscheidung.
Oben bleiben
Der Mönchsberg ist kein Aussichtspunkt, er ist ein Gehweg mit Stadt darunter. Gehen Sie ohne Plan von Stift Nonnberg Richtung Museum der Moderne. Setzen Sie sich, wo der Wald die Fassaden zuschneidet. Unten bleibt der Lärm, oben bleibt der Atem.
Untersberg: nur bei klarem Westwind. Die Seilbahn ist ein Werkzeug, kein Erlebnis. Oben zehn Minuten vom Stationshaus weg, dann erst der Blick. Wer die Station als Ziel nimmt, hat den Berg verfehlt.
Unten essen
Die Altstadt speist für das Foto. Gehen Sie über die Salzach ins Andräviertel oder nach Maxglan, wenn Sie eine Leberknödelsuppe wollen, die nicht auf einer Karte in vier Sprachen steht. Reservieren Sie nichts für 19 Uhr — kommen Sie um 17:30, wenn die Küche noch entscheidet.
Im Juli liegt Mozart über allem. Im Februar gehört die Stadt den Einwohnern und dem Niesel. Wir bevorzugen den Niesel. Festspielkarten sind ein anderes Heft; ohne sie ist Salzburg nicht ärmer, nur leiser.
Ein Tag, der trägt
Vormittag am Hang, nicht in der Gasse. Mittag jenseits der Brücke. Nachmittag ein Stift oder gar keines — Nonnberg reicht oft. Gegen 17 Uhr dürfen Sie die Getreidegasse betreten, als wäre sie wieder eine Straße. Abends früh essen. Der letzte Zug nach Wien ist ein Argument, nicht zu übernachten; eine zweite Nacht ist das bessere.
Wer von hier ins Salzkammergut weiterfährt, tue das nicht am selben Nachmittag. Die Mulde und die Seen vertragen keine Eile hintereinander.
Fragen, die uns erreichen
Wann ist die Altstadt erträglich?
Nach 16 Uhr an Wochentagen, oder im Februar bei Niesel. Den Vormittag im Hochsommer schenken Sie der Gasse.
Untersberg bei Wind?
Nur bei klarem Westwind. Bei Föhn bleiben Sie in der Stadt. Die Seilbahn ist ein Werkzeug, kein Erlebniszwang.
Braucht man die Festspiele?
Nein. Sie sind ein eigener Kalender. Ohne Karte bleibt genug Stein, Hang und Brühe.